Dann habe ich eine Plastikplane mitgebracht. Große Aufregung
bei Morti, aber
auch genauso viel Neugier. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich bei dem
ersten
Treffen mit der Plastikplane vorgegangen bin, ob ich sie einfach klein
auf den
Boden gelegt habe, gleich ausgefaltet hatte, ob ich Morti hatte
freilaufen
lassen oder ihn sachte hingeführt habe... weil all meine Erinnerungen an
das
erste Mal Plane von dieser Szene überschattet werden: Ich laufe in einer
dunklen Februarnacht durch die Halle und ziehe die lang ausgefaltete
blaue
Plastikplane hinter mir her, während Morti mir bzw. der Plane frei und
laut
schnaubend in geringem Abstand auf Schritt und Tritt folgt, jede
kleinste
Schleife, jeden Schlenker nach rechts oder links mitmachend,
neugierig-angespannt –gebannt dieses aufregende, knisternde, blaue Etwas
verfolgend. Ich laut lachend, mein verspieltes und neugieriges Pferdchen
laut
schnaubend hinter mir...
Als ich die Plane am darauffolgenden Abend wieder mitgebracht habe, war
es ein
Leichtes und schon stand Morti – stolz wie Oskar, mit beiden Vorderfüßen
auf
der Plane. Für soviel Mut und Einsatz gab´s wieder Leckerchen, ganz
klar. Dann
habe ich ihn aber wieder ein bisschen Laufen lassen, ihn gestreichelt
und zum
ersten Mal versucht, einen Vorderhuf anzuheben. Erst hatte ich den
Eindruck,
der Huf müsse wohl im Hallenboden festgewachsen sein, aber dann hatte
ich ihn
für eine Sekunde in der Luft. Lob und Leckerchen. Am dritten Tag mit der
Plane
stand Morti gerade – wieder stolz wie Oskar- mit allen Vieren auf der
Plane,
als Mortis Retterin an der Bande erschien und ihren Augen kaum glauben
konnte.
Die „Pestbeule“, wie Morti wegen seines schwierigen Verhaltens am Hof
auch
genannt wurde, führte ihr mit mir verschiedene Führübungen vor und
marschierte
an meiner Seite auf die Plane, links rüber, rechts rüber, mitten drauf
stehen
bleiben, ließ sich auf kleinen Wink zurückschicken. Sie staunte nicht
schlecht.


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