News 03.05.2010

Rückblick 2: Sinnvolle Firlefanzerei

Morti musste sich zwar überwinden, aber die Arbeit hat ihm auch Spaß gemacht
© Privat
Die nächsten Tage und Wochen habe ich noch so oft wie möglich mit Morti in der Halle spielerisch verschiedene Sachen geübt. Das Join up haben wir noch einige Male woederholt - jetzt aber im Unterschied zum ersten Mal von Anfang an in einer auch von Mortis Seite konzentrierten Atmosphäre und nie länger als 8-10 Minuten. Interessant war zu beobachten, dass er immer näher an mich herangerückt ist. Wir brauchten auf einmal gar nicht mehr die ganze Bahn, er ist irgendwann wie von einer unsichtbaren Bande gehalten auf einem Zirkel um mich herum gelaufen! Deutlicher konnte es nicht werden, dass jetzt nicht mehr alles andere, sondern das, was von mir ausging, interessant für ihn war! Und das sollte unbedingt so bleiben! So habe ich Führübungen und ganz bald schon erste kleinere Spielereien, damit es nicht langweilig wird, mit ihm gemacht: Eine Stange auf den Boden gelegt, Morti gezeigt, wenn er an dem „unheimlichen Ding“ geschnüffelt hat: Leckerchen. Zweite Stange auf den Boden: Morti schnüffelt dran, Lob. Durch die beiden Stangen geführt, links rum, rechts rum. Leckerchen. Stangen enger zusammengelegt, wieder durchgeführt, gelobt. Andersrum. In der Mitte anhalten, Lob. In der Mitte anhalten, rückwärts raus. Rückwärts eingefädelt, Leckerchen.... Mir gingen die Ideen nicht aus.

Dann habe ich eine Plastikplane mitgebracht. Große Aufregung bei Morti, aber auch genauso viel Neugier. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich bei dem ersten Treffen mit der Plastikplane vorgegangen bin, ob ich sie einfach klein auf den Boden gelegt habe, gleich ausgefaltet hatte, ob ich Morti hatte freilaufen lassen oder ihn sachte hingeführt habe... weil all meine Erinnerungen an das erste Mal Plane von dieser Szene überschattet werden: Ich laufe in einer dunklen Februarnacht durch die Halle und ziehe die lang ausgefaltete blaue Plastikplane hinter mir her, während Morti mir bzw. der Plane frei und laut schnaubend in geringem Abstand auf Schritt und Tritt folgt, jede kleinste Schleife, jeden Schlenker nach rechts oder links mitmachend, neugierig-angespannt –gebannt dieses aufregende, knisternde, blaue Etwas verfolgend. Ich laut lachend, mein verspieltes und neugieriges Pferdchen laut schnaubend hinter mir...

Als ich die Plane am darauffolgenden Abend wieder mitgebracht habe, war es ein Leichtes und schon stand Morti – stolz wie Oskar, mit beiden Vorderfüßen auf der Plane. Für soviel Mut und Einsatz gab´s wieder Leckerchen, ganz klar. Dann habe ich ihn aber wieder ein bisschen Laufen lassen, ihn gestreichelt und zum ersten Mal versucht, einen Vorderhuf anzuheben. Erst hatte ich den Eindruck, der Huf müsse wohl im Hallenboden festgewachsen sein, aber dann hatte ich ihn für eine Sekunde in der Luft. Lob und Leckerchen. Am dritten Tag mit der Plane stand Morti gerade – wieder stolz wie Oskar- mit allen Vieren auf der Plane, als Mortis Retterin an der Bande erschien und ihren Augen kaum glauben konnte. Die „Pestbeule“, wie Morti wegen seines schwierigen Verhaltens am Hof auch genannt wurde, führte ihr mit mir verschiedene Führübungen vor und marschierte an meiner Seite auf die Plane, links rüber, rechts rüber, mitten drauf stehen bleiben, ließ sich auf kleinen Wink zurückschicken. Sie staunte nicht schlecht.

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