Kauf: Erhalt des Eigentums an einer Sache (oder der Inhaberschaft an einem Recht) gegen Bezahlung.
Mal ganz davon zu schweigen, dass niemand von uns sein Pferd als Sache bezeichnen würde - nein, diese Minimaldefinition aus einem Lexikon deutet in keiner Weise auf das einschneidende Erlebnis hin, das für so ziemlich jeden Pferdebesitzer zu den wichtigsten und mitunter auch emotionalsten Momenten ihres Reiterlebens gehört. Wenn im Reiterstübchen die Langeweile gähnt und niemand so recht was zu erzählen weiß, gibt es kaum ein besseres Thema, das Sie anschneiden können, um Redseligkeit und sich gegenseitiges Überbieten sehnsüchtiger Erinnerungen anzustoßen.
Als ich Morti das erste Mal auf einem Foto im Internet sah, wusste ich gleich: Der könnte es sein! Viele andere Pferdeannoncen hatten mich kalt gelassen, aber bei seiner begann mein Herz schneller zu schlagen. Pech nur, dass ich immer noch Studentin war, mit mehreren Nebenjobs zwar, aber noch dazu mitten im Examen. Und auf Pferdesuche war ich doch eigentlich auch nicht. Ich saß am Schreibtisch, um meine Examensarbeit zu schreiben, und dass ich immer wieder auf Pferdeseiten landete, war meinem Vorankommen nicht gerade förderlich... immer noch auf Seite 32...
Aber das war mein Pferd! Das war mir irgendwie klar. Und zwar, weil ich schon so lange das Wunschbild von meinem perfekten Pferdepartner in mir trug. Der Eindruck hat sich dann noch verstärkt und ist zur Gewissheit geworden, als ich mir Morti – damals noch Paul – das erste Mal angesehen habe. Ein aufgeweckter junger Hengst, sehr neugierig und sehr besitzergreifend: Die anderen Hengste ließ er in der hintersten Ecke des großen Laufstalls Spalier stehen, während ich ihn liebkosen durfte. Ja, mit dem würde ich durch dick und dünn gehen, wir würden uns zusammenraufen und zusammen durchs Leben reiten.
Das klingt jetzt vielleicht alles etwas blumig, aber ich finde, das gehört dazu. Ich finde nämlich auch ein Pferdekauf ist eine Entscheidung fürs Leben. Ich habe kein Verständnis für Pferdebesitzer, die Pferde kaufen und wieder verkaufen, weil ihnen irgendwas doch nicht passt oder etwas nicht so funktioniert wie erwartet. Das sind die Pferdeleute, die beim Pferdekauf ausschließlich rein rational vorgehen (siehe Lexikoneintrag). Aber ein Pferd ist kein Auto. Hier treffen zwei Charaktere aufeinander und es muss „Klick“ machen!
Ich glaube das Allerwichtigste ist, zuerst zu wissen, was man mit dem zukünftigen Partner machen möchte und eine möglichst realistische Traumvorstellung zu entwickeln (und zwar eine persönliche! Nicht eine, die die anderen Einstaller wahrscheinlich beeindruckt oder von der Reitlehrerin etc. beeinflusst ist!). Ich finde für diese Phase muss man sich bewusst Zeit nehmen und das ein oder andere Mal die Augen schließen und träumen... Was wünsche ich mir? Was passt zu mir? Was kann ich, traue ich mir zu? Was möchte ich mit meinem Pferd gemeinsam erleben? Was sind persönliche Ziele? Ich glaube, nur wenn man so ein „inneres Bild“ von seinem Wunschpartner Pferd hat, erkennt man es auch, wenn es dann vor einem steht. Trotzdem ist zu viel Impulsivität natürlich auch tückisch – ich habe rückblickend auf meine Erfahrungen beim Pferdekauf oft genug noch gedacht „Puh! Das hätte auch in die Hose gehen können!“. Ich habe zum Beispiel überhaupt keine Ankaufsuntersuchung machen lassen. Es gab eine ganze Zeit, in der ich deswegen ein richtig schlechtes Gewissen hatte. Beruhigt war ich dann erst, als ich Morti, kurz bevor ich mit dem Anreiten beginnen wollte, von oben bis unten einmal habe durchchecken lassen. Ich war wirklich nervös, schließlich war er schon seit anderthalb Jahren mein geliebtes Pferd und wäre jetzt ans Licht gekommen, dass er unreitbar wäre – ich hätte ihn behalten und zum Zirkuspferdchen ausgebildet – aber es wäre für mich trotzdem einer Katastrophe gleich gekommen... Zum Glück war aber alles in bester Ordnung. Aber falls ich noch mal ein Pferd kaufen sollte, würde ich die AKU nicht auslassen.
Ich habe Morti übrigens von einer Tierschützerin gekauft, die ihn und vier weitere junge Hengste von einem Italien-Schlachttransport gerettet hat. Und das würde ich jederzeit wieder machen. Morti ist ein wunderschönes, gesundes Pferd und wie er gehen viel zu viele Pferde häufig grundlos auf diese Todesfahrten. Es ist schon häufiger vorgekommen, dass ich von erfahrenen Pferdeleuten auf mein schönes Pferd angesprochen und nach seiner Abstammung und Papieren gefragt wurde... Also: Wer es sich zutraut, ein rohes Pferd, über dessen Abstammung und Herkunft so gut wie nichts zu erfahren ist, mit viel Geduld, Liebe, Vertrauensarbeit und Sachverstand auszubilden, sollte sich ernsthaft auch mit dieser Möglichkeit, ein Pferd zu kaufen, auseinandersetzen und bei Tierschützern einmal nachfragen!
Ja, ich kann mich nur wiederholen. Kaum ein anderes Thema ist unter Reitern so geeignet, Redseligkeit und sehnsüchtige Erinnerungen anzustoßen, wie der Pferdekauf. Das ging uns im Leserbeirat auch so und ich habe einige wunderschöne Geschichten gehört, die tatsächlich so passiert sein sollen und die kein noch so rührseliger Regisseur ergreifender hätte verfilmen können. In mir hat die Aufforderung seitens der Mein Pferd-Redaktion, meine Erfahrungen bezüglich des Titelthemas „Pferdekauf“ aufzuschreiben, bewirkt, dass ich auch in den folgenden Blog-Einträgen noch einmal den Blick zurück richten möchte, auf Mortis und meine Anfangszeit. Nach dem blumigen Kennenlernen galt es jetzt nämlich eine gemeinsame Basis zu finden, und das war zunächst gar nicht so einfach...


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