Wahrscheinlich haben Sie mich längst durchschaut. Natürlich war das Alles keine sinnlose Firlefanzerei zum bloßen Zeitvertreib mit einem Pferd, das sich leider noch nicht satteln und reiten lässt. Ganz im Gegenteil. Sie vermuten richtig, bei all der Spielerei verfolgte ich doch einen ehrgeizigen Plan. Morti hatte panische Angst vor dem Hänger. Ihn zu verladen war eine einzige Katastrophe. Ich konnte aber nicht ewig weiter die lange Strecke fahren, wollte ihn schon in drei Wochen vom Hof der Tierschützerin zu mir nach Essen holen, einen schönen Stall hatte ich längst gefunden. Die Führübungen, Stangen und die Vertrauensarbeit mit der Plane waren Vorstufen zu dem, was ich jetzt übte. Der Hofbesitzer kuppelte den Hänger an den Trecker und stellte das Gespann nah der Bande im hinteren Teil der Halle ab. Ich betrat zunächst mit Morti die Halle, als wäre nichts anders als sonst. Als er das Gespann am anderen Ende der Halle entdeckte, erstarrte er für einen langen Augenblick zur Salzsäure und zeigte sich sehr ängstlich, deswegen machte ich erstmal überhaupt gar keine Anstalten, mit ihm auf den Hänger zugehen zu wollen. Ich ließ ihn frei laufen, machte dann wieder einige Übungen mit 4 Stangen, die ich zu einem L zusammenlegte und mit ihm durchschritt. Dann bin ich mit ihm einen Zirkel gelaufen, der von Mal zu Mal größer wurde, bis wir eng an dem Gefährt vorbeikamen. Als Morti nach drei Mal eng daran vorbeigelaufen war und schon wieder ganz cool war, bin ich mit ihm neben dem Hänger stehen geblieben, habe den Strick abgehängt, Morti gelobt und bin einige Schritte zur Seite getreten. Dann habe ich mich auf die heruntergelassene Laderampe gesetzt. Morti fing an, sich auszustrecken und vorsichtig an dem Gefährt zu schnüffeln. Ich habe nur beobachtet, ihn mit der Stimme gelobt und als er zu mir kam und an der Laderampe schnüffelte, hat er ein Leckerchen bekommen.
Das reichte fürs Erste. Auch die folgenden Abende bin ich dem Prinzip der positiven Verstärkung treu geblieben: Beim Hänger gab´s immer die tollsten Sachen, Möhren, Äpfel, Müsli. Das war auch angebracht, da Morti beim leisesten Ausüben von Druck gleich wieder panisch wurde. Versuchte ich ihm den Weg auf den Hänger einmal deutlicher zu zeigen, riss er den Kopf hoch und sprang zurück und tänzelte nervös im Kreis, hielt ich dagegen, stieg er sogar. So wurde das also nichts, natürlich war er der Stärkere. Doch ich schaffte es mit Ruhe und der positiven Verstärkung Abend für Abend ein Stück weiter. Am Tag bevor ich ihn nach Essen fahren wollte stand er immerhin mit allen Vieren auf der Landerampe. Mehr war erst mal nicht drin. Dann war der Tag X da. Ich versuchte, meine Aufregung wegzuatmen. Morti hatte etwas Beruhigungspaste bekommen, damit unsere Chancen, ihn diesmal ganz auf den Hänger zu bekommen, stiegen. Ruhig bin ich mit ihm auf die Laderampe zu, wenig später stand er mit allen Vieren darauf, beim ersten Anlauf. Ich habe ihn stehen lassen und gelobt, bin dann mit einem Futtereimer in den Hänger vorausgegangen. Morti stand wie angewurzelt, aber in dem Moment schoben mein Vater und der Hofbesitzer ihn von hinten: Etwas überrumpelt stand er nun auf dem Hänger, mein Vater schloss schnell die hintere Stange und ich machte ihn vorne fest. Dann ging es los – die lange Autofahrt war für mich ein Alptraum, Anspannung und Erleichterung wechselten sich bei mir ab. Das Verladen war geschafft - die spielerische Bodenarbeit hatte sich als wichtiges Training erwiesen und ich war soweit mächtig stolz auf Morti und mich..


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