Dabei ist mir mein Hobby sehr wichtig, der Reitstall mein zweites Zuhause.
Sauberkeit und Ordnung liebende Schwiegermütter mögen bei dieser Aussage die Stirn runzeln. Dabei denke ich doch jetzt gar nicht an die vielen über Mist kreisenden Fliegen, Pferdegeruch in den Klamotten oder durchs Heu flitzende Mäuse. Vielmehr meine ich, dass doch schließlich jeder seine Freizeit dort verbringt, wo er sich wohl fühlt: Die Einen schwitzen auf dem Tennis-Court, Andere stehen in Vereinsfarben dicht gedrängt beispielsweise auf der Südtribüne, mischen ihre Stimme unter zig-tausend andere und gröhlen rhythmisch wie aus einer Kehle „.... Dortmund...Dortmund...“ und wieder Andere lassen die Arbeit Arbeit sein, schmeißen sich in die Stallklamotten und eilen zum Reitstall. Freizeit ist Freizeit, hier interessieren andere Themen und Fragen, gelten andere Regeln.
Als ich mit Morti letzte Tage durch die Felder trabte - wenn ich´s gleich schreibe atme ich selbst durch die Zähne, aber bitte erlauben Sie mir den folgenden kitschigen Nebensatz - es war bereits kurz vor zehn und die Sonne stand tiefrot über dem fast schon gelben Korn, wusste ich mit einem Mal ganz genau, worum es mir beim Reiten geht: um das Gefühl von Freiheit. Ich werde jetzt bestimmt nicht vollends ins Kitschige verfallen und versuchen näher zu beschreiben, was für ein Freiheitserleben ich meine. Vielleicht können Sie meine Empfindungen teilen, vielleicht nicht. Als ich nach langem frischen Trab den Waldrand erreicht hatte und zum Schritt durchparierte, musste ich daran denken, dass es bei all den vielfältigen Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten, doch eigentlich nur wenige Kategorien gibt: Hobbys, die ein Gemeinschaftserlebnis vermitteln (z.B. eben das von Fußballfans vielzitierte „Wir-Erleben“, Teamsport), Hobbys, die das kreative Ausleben des Individuums ermöglichen (Musik, Kunst), Hobbys, die körperliche Verausgabung ermöglichen (Sport), Hobbys, die zu Besinnung und Ruhe anregen (Meditation, Yoga) und Hobbys, die den Einzelnen durch die Begegnung mit der Natur Freiheit erleben lassen können (Drachenfliegen, Wandern oder eben Reiten). Das sind quasi die Grundzutaten – wie beim Backen eines Kuchens – aus denen jeder von uns sein Hobby zusammenrührt und es scheint mir als bestünde jedes Hobby aus all diesen Komponenten, nur zu jeweils ganz unterschiedlichen Anteilen gemischt. So kann es sein, dass zwei Reiter mitunter weniger gemeinsam haben, als ein Reiter und jemand der zum Beispiel Gleitschirm fliegt: beispielsweise dann, wenn der eine Reiter ein Sportreiter ist und der andere dagegen das Freiheits- und Naturerleben sucht...
Warum ich Ihnen all diese Betrachtungen schreibe? Ich weiß nicht, vielleicht war mir nach einem Plädoyer für die Freizeit. Was bedeutet Ihnen die Ihre? Zu welchen Anteilen ist Ihr Kuchen gebacken?


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